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Pflege in Hessen: Würde sichern, Qualität stärken, Kosten begrenzen

10. Oktober 202610. Oktober 2026
LAG GPS - Rehwald - Pflege Hessen

Gute Pflege ist eine gesellschaftliche Verantwortung. Sie muss fachlich verlässlich, menschlich und bezahlbar sein.

Die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen gehört zu den zentralen sozialpolitischen Aufgaben unserer Zeit. Viele Pflegekräfte leisten täglich anspruchsvolle Arbeit und begleiten Menschen mit Fachwissen, Geduld und persönlichem Engagement. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen bei der Pflegequalität, der Personalausstattung und der Finanzierung. Diese Probleme müssen sachlich benannt und konsequent angegangen werden.

Für die Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheit, Pflege und Soziales der FREIE WÄHLER Hessen steht dabei ein Grundsatz im Mittelpunkt: Die Würde und Selbstbestimmung pflegebedürftiger Menschen müssen jederzeit gewahrt bleiben.

Pflegequalität muss sich im Alltag bewähren

Der im Juni 2025 veröffentlichte achte Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes Bund basiert auf Qualitätsprüfungen aus dem Jahr 2023. Er bewertet die allgemeine pflegerische Versorgung überwiegend als zufriedenstellend bis gut, benennt aber auch Verbesserungsbedarf, unter anderem bei der Wundversorgung.

Solche Ergebnisse sind wichtige Anhaltspunkte, bilden jedoch weder die aktuelle Situation jeder einzelnen Einrichtung noch sämtliche Erfahrungen der Bewohner ab.

Entscheidend ist, wie Pflege im Alltag tatsächlich gelebt wird: Erhalten Menschen rechtzeitig die notwendige Unterstützung? Werden ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt? Werden ihre Selbstständigkeit und ihre sozialen Kontakte gefördert? Und können sie darauf vertrauen, dass Beschwerden ernst genommen werden?

Ein Pflegeheim ist das Zuhause seiner Bewohner. Fachgerechte Versorgung, Respekt, Selbstbestimmung und soziale Teilhabe müssen deshalb Maßstab des Handelns sein.

Hessen muss seine Verantwortung wahrnehmen

Die Verantwortung für eine gute Pflegeversorgung ist auf mehrere Ebenen verteilt. Während der Bund insbesondere die Leistungen der Pflegeversicherung und wesentliche gesetzliche Rahmenbedingungen regelt, trägt Hessen Verantwortung für die landesrechtlichen Rahmenbedingungen, die Pflegeinfrastruktur und die Aufsicht über Pflegeeinrichtungen.

Die hessische Betreuungs- und Pflegeaufsicht muss dazu beitragen, Mängel frühzeitig zu erkennen, Beschwerden angemessen zu bearbeiten und notwendige Verbesserungen durchzusetzen. Die zuständigen Behörden müssen hierfür über geeignete Strukturen und ausreichende Ressourcen verfügen.

Wir fordern deshalb eine konsequente Aufsicht, nachvollziehbare Verfahren im Umgang mit festgestellten Mängeln und verständliche Beschwerdewege für Bewohner, Angehörige und Beschäftigte. Qualitätsprüfungen müssen praktische Verbesserungen bewirken. Entscheidend ist nicht allein, ob ein Mangel dokumentiert wird, sondern auch, ob angemessen darauf reagiert wird.

Pflegekräfte brauchen verlässliche Rahmenbedingungen

Pflegequalität hängt nicht allein von der Zahl der Beschäftigten ab. Ebenso wichtig sind fachliche Qualifikation, gute Arbeitsbedingungen, verlässliche Dienstpläne, eine angemessene Organisation der Arbeitsabläufe und eine verantwortungsvolle Leitung.

Pflegekräfte dürfen mit strukturellen Problemen nicht allein gelassen werden. Gleichzeitig darf Personalmangel keine pauschale Rechtfertigung für Vernachlässigung oder einen entwürdigenden Umgang sein.

Wir setzen uns dafür ein, die Gewinnung und Bindung qualifizierter Pflegekräfte zu unterstützen, unnötige bürokratische Belastungen abzubauen und die Rahmenbedingungen für eine fachgerechte Versorgung zu verbessern. Dabei müssen die tatsächlichen Unterstützungsbedarfe der Bewohner berücksichtigt werden.

Pflege muss in Hessen bezahlbar bleiben

Die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen ist erheblich. Nach der Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen lag der durchschnittliche monatliche Eigenanteil für einen vollstationären Pflegeheimplatz in Hessen zum 1. Juli 2026 im ersten Aufenthaltsjahr bei 3.431 Euro. Im Vorjahr waren es zum gleichen Stichtag 3.026 Euro.

Diese Durchschnittswerte umfassen den verbleibenden Eigenanteil an den Pflegekosten nach Berücksichtigung des Leistungszuschlags der Pflegeversicherung sowie die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen. Die tatsächlichen Kosten unterscheiden sich je nach Einrichtung und Aufenthaltsdauer.

Diese Entwicklung wirft grundlegende Fragen auf: Wie sichern wir eine qualitativ gute Versorgung? Wie verhindern wir, dass Pflegebedürftigkeit Menschen finanziell überfordert? Und wie schaffen wir eine verlässliche Finanzierung, ohne notwendige Leistungen und angemessene Arbeitsbedingungen gegeneinander auszuspielen?

Wir fordern mehr Transparenz über die Kosten, eine frühzeitige und verständliche Beratung der Betroffenen sowie eine nachhaltige Finanzierung der Pflege. Hessen muss seine landespolitischen Handlungsmöglichkeiten nutzen und sich zugleich auf Bundesebene für tragfähige Lösungen einsetzen.

Unsere fachpolitischen Forderungen für Hessen

Die Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheit, Pflege und Soziales der FREIE WÄHLER Hessen setzt sich für folgende Schwerpunkte ein:

  • Qualität wirksam sichern: Festgestellte Mängel müssen konsequent bearbeitet und erforderliche Verbesserungen überprüft werden.

  • Beschwerden ernst nehmen: Bewohner, Angehörige und Beschäftigte benötigen erreichbare Ansprechpersonen und transparente Verfahren.

  • Pflegekräfte stärken: Gute Arbeitsbedingungen, Qualifikation, Personalbindung und eine verlässliche Arbeitsorganisation müssen gefördert werden.

  • Pflege bezahlbar gestalten: Pflegebedürftige und Angehörige brauchen transparente Kosten und verlässliche Beratung; die Finanzierung muss langfristig tragfähig sein.

  • Selbstbestimmung ermöglichen: Persönliche Wünsche, soziale Kontakte und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben müssen auch bei Pflegebedürftigkeit berücksichtigt werden.

  • Angehörige unterstützen: Ihre wichtige Rolle muss anerkannt werden, ohne notwendige professionelle Pflegeleistungen auf sie abzuwälzen.

Dabei müssen wir die gesamte Versorgung im Blick behalten: stationäre Pflege, ambulante Angebote, Kurzzeitpflege, Tagespflege und die Unterstützung pflegender Angehöriger. Eine verlässliche Pflegeinfrastruktur ist auch für die Lebensqualität in den hessischen Landkreisen und Kommunen von zentraler Bedeutung.

Michael Rehwald, stellvertretender Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheit, Pflege und Soziales der FREIE WÄHLER Hessen, erklärt:

„Menschen dürfen im Alter nicht darauf hoffen müssen, dass gerade genügend Zeit für ihre Bedürfnisse bleibt. Würde, gute Pflege und soziale Teilhabe müssen verlässlich sein. Dafür möchte ich mich gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheit, Pflege und Soziales einsetzen – im Austausch mit Betroffenen, Angehörigen und Pflegekräften. Wir müssen Missstände klar benennen, Verantwortung auf allen Ebenen einfordern und konkrete Verbesserungen für die Pflege in Hessen erreichen. Denn die Würde eines Menschen darf nicht davon abhängen, wie viel Zeit oder Geld gerade zur Verfügung steht.“

Unser Maßstab ist der Mensch

Pflegepolitik darf sich nicht auf Zuständigkeiten, Statistiken und Prüfberichte beschränken. Sie muss daran gemessen werden, ob Menschen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, ob ihre Würde gewahrt bleibt und ob Pflegekräfte ihre Arbeit unter fachlich angemessenen Bedingungen leisten können.

Wir möchten die Perspektiven von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Beschäftigten in die fachpolitische Arbeit einbringen. Unser Anspruch ist es, Probleme sachlich zu analysieren, Zuständigkeiten klar zu benennen und daraus konkrete, umsetzbare Verbesserungen für Hessen abzuleiten.

Denn gute Pflege ist keine Frage des Zufalls. Sie braucht Verantwortung, verlässliche Strukturen und eine Finanzierung, die den Menschen gerecht wird.

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